BOOK REVIEW: Artemis
Im März startet die Verfilmung von Andy Weirs letztem Roman Der Astronaut (engl. Project Hail Mary) in den Kinos. Bekannt ist der Weir den meisten wohl als Autor von Der Marsianer, das mit Matt Damon in der Hauptrolle ebenfalls verfilmt wurde. Zwischen diesen millionenschwerem Hollywood-Material hat Andy Weir aber noch einen weiteren Sci-Fi-Roman zu Papier gebracht: Artemis. Und um den soll es heute gehen.
Wer den Vorgänger oder Nachfolger von Artemis gelesen hat, wird auch hier die Handschrift des Autors sofort erkennen. Es ist eine spannende und auch unterhaltsame Geschichte, die eine Meta-Ebene oder besondere Tiefe vermissen lässt, dafür aber bei Erzähltempo und Spannungsbogen brilliert. Auch wenn die Story hier und da etwas überdreht scheint, möchte man doch immer wissen, wie es weitergeht. Konkret heißt das hier: wir verfolgen Protagonistin Jazz Bashara, die in der Mondstadt Artemis einen sehr gut bezahlten – aber auch illegalen – Auftrag von einem dort ansässigen Milliardär annimmt. Die Entlohnung für diesen Auftrag soll Jazz aus ihrem kümmerlichen Zuhause, das nicht mehr ist als ein Bett mit Tür, befreien und ihr endlich das Leben auf dem Mond ermöglichen, von dem sie schon so lange träumt. So richtig nach Plan läuft das alles aber nicht und am Ende betreffen die Konsequenzen ihres Handelns nicht nur Jazz selbst, sondern ganz Artemis.
Das alles liest sich, wie von Weir gewohnt, ganz wunderbar. Die klare Sprache und der Witz sorgen dafür, dass trotz zum Teil brutaler Situationen, immer ein Schicht Humor über der Geschichte liegt. Das fühlt sich sehr natürlich und selten aufgesetzt an, was gerade bei Humor ja gar nicht so leicht ist. Das liegt nicht zuletzt an der einigermaßen glaubwürdigen Protagonistin. Ihre Motivation für ihre Handlungen sind nachvollziehbar, was ich jedem Autor und jeder Autorin immer ganz hoch anrechne. Etwas aufgestoßen ist mir jedoch, dass quasi keine Szene ohne gewisse sexuelle Anzüglichkeiten auskommt. Und auch auf die Gefahr hin prüde zu wirken, fällt mir doch auf, dass von Männern geschriebene Frauen-Charaktere auffällig oft an Sex denken, über ihn sprechen, ihn haben, … Aber wenn Weir in der Danksagung sechs Frauen „für das kluge Feedback […] besonders zu der Herausforderung, eine Geschichte aus der Perspektive einer weiblichen Hauptfigur zu schreiben“ dankt, mag vielleicht ich hier auf dem Holzweg sein und nicht Weir. Aber das gleiche Thema hatten wir auch schon bei Terra Perdita und es fühlt sich einfach nicht so richtig rund an.
Ebenfalls nicht so richtig rund ist der Aspekt der Hard-Sci-Fi in der Geschichte. Weir bemüht sich wirklich alles in der Geschichte auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, ja hat im Anhang an die Geschichte sogar ein ganzes Kapitel mit Fakten zur Luft- und Raumfahrt gesammelt. Man merkt ihm an, dass er für die Wissenschaft allgemein und dieses Thema ganz besonders brennt. Aber leider wird dann doch an zu vielen Stellen, die nicht mal unbedingt wichtig sind, zu viel erklärt. Das stört den Lesefluss, wirkt künstlich eingeschoben und rüttelt somit an der Immersion. Da wäre weniger Erklärung mehr gewesen.
Alles in allem macht Artemis aber einfach Spaß. Es macht Spaß, wie Jazz sich durch ihr Leben schlägt, Entscheidungen trifft, die mal mehr mal weniger gut sind, und wie sie das mit einem Witz macht, der die Geschichte über die ein oder andere Schwachstelle hinweg trägt. Wer also kein Problem damit hat, einen Popcorn-Hollywood-Streifen in Buchform zu lesen, darf sich den Helm aufsetzen, in die Rakete steigen und zum Mond reisen. Denn Artemis ist durchaus einen Blick wert!
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