MOVIE_REVIEW: U Are The Universe
Zeit für die nächste Premiere auf diesem Blog: ein paar Worte zu einem Film! Statt Seiten voller Buchstaben, Tagen bis Wochen konzentrierten Lesens ganz entspannte eineinhalb Stunden Arthouse-Kino inmitten der örtlichen ukrainischen Community. Denn U Are The Universe ist ein Sci-Fi-Film aus der Ukraine. Wobei die Beschreibung "Sci-Fi-Film" auch nur die halbe Wahrheit ist und es "romantischer Weltraumfilm" viel besser trifft. Und genau diese Romantik ist auch die große Stärke des Films.
Denn Regisseur und Drehbuchautor Pawlo Ostrikow gelingt es auch in der verzweifeltsten Situation, in der sich Menschen befinden können, nämlich die letzten ihrer Spezies im Universum zu sein, Liebe als zentrales Motiv zu installieren. Das ist die ganze Prämisse des Films und trägt ihn vom Anfang bis zum Schluss. Denn die Romantik selbst will - zumindest bei mir - nicht so recht zünden. Da ist kein Knistern, keine tiefe Verbundenheit. Dafür braucht es vielleicht dann (zumindest im Film) doch mehr realen zwischenmenschlichen Kontakt, als es ihn in U Are The Universe gibt. Aber dieses Kämpfen um Liebe, die Verzweiflung und Opferbereitschaft, die bahnt sich umso mehr den Weg zum Publikum und ist genau das, was ich an Liebesfilmen mag. Nicht den Kitsch, nicht die Küsse, sondern den Glauben an eine tiefe Verbundenheit, für die man bereit ist alles zu geben, DAS ist der Punkt, der bei mir zieht und der hier voll erfüllt wird.
Dass es dazu noch ein wunderbares Weltraumsetting gibt, bei dem man bei den raren Außenbildern zuerst wegen der Qualität überrascht und beeindruckt ist, am Ende aber doch budgetäre Defizite sichtbar werden, ist bei U Are The Universe natürlich noch ein zusätzlicher Pluspunkt - und der Grund, warum der Text hier überhaupt seinen Weg auf den Blog findet. Aber das Setting bietet Pawlo Ostrikow auch die Möglichkeit, das Menschliche im Menschen besonders kontrastreich darzustellen, denn der Protagonist Andriy Melnyk ist nach einem kosmischen Unfall der vermeintlich letzte Überlebende der Spezies Mensch. Und vor so einem Hintergrund wirkt alles, was Andriy tut irgendwie besonders. Seien es seine Gespräche mit der KI, seine Traurigkeit und Frustration oder eben seine romantischen Gefühle. Das meine ich mit "kontrastreich". Würde das alles irgendwo in einem ukrainischen Mehrfamilienhaus spielen, wäre das alles ziemlich belanglos. Hier ist es das nicht.
Die Prämisse und die konsequente Liebeserklärung an die Menschheit sind also die großen Stärken des Films, die nicht zündende Liebesgeschichte eher die Schwäche. Dazwischen jede Menge Weltraum-Grau mit ein, zwei recht vorhersehbaren, aber nicht unbedingt schlechten Plot-Twists. Alles in allem ein durchaus sehenswerter Film, besonders wenn man bedenkt, was sonst so zum Thema Sci-Fi in den Nischenkinos läuft - nämlich fast gar nichts.